Dienstag, 19. Februar 2008

Erfahrungsbericht HVX und Letus35 Extreme

Der nun folgende Bericht schildert meine Erfahrungen vom Kauf des Letus Extreme über Zollfragen, Auffälligkeiten und erste praktische Erfahrungen bei meinem ersten zweiwöchigen Einsatz des Adapters und beantwortet dadurch wahrscheinlich schon einige Fragen, die bei den meisten (potenziellen) Käufern da sind.



Vorweg möchte ich sagen, dass der Letus35 Extreme eine Work-in-Progress-Arbeit ist. Es gibt schon jetzt Unterschiede zwischen dem Adapter, der im September 2007 produziert wurde und dem, den ich im Januar 08 in meinen Händen hielt. Kinderkrankheiten werden geheilt, sozusagen.

Bestellung:

Den Adapter kann man recht einfach über die Seite Letus Direct oder Adapterplace bestellen und online bezahlen.

Ich habe den Extreme mit einem Nikon-Mount und einem zusätzlichen PL-Mount bestellt, damit ich auch mit normalen Filmoptiken arbeiten kann. Dazu war mir die Adapterstütze (Support-Bracket) wichtig, damit nicht das Gewicht des Adapters und des Photoobjektivs auf dem Objektiv meiner HVX lastet, sondern auf einem 15mm-Rohrsystem (Rod Support), das ich vom Ebay-Inder bezogen habe.


Versand und Zoll:

Sobald das Gerät ausgesandt wird, bei mir hat das etwa sechs Wochen gedauert, bekommt man eine Tracking-Nummer über die man sich online über den aktuellen Aufenthaltsort informieren kann. Mit Zollbearbeitung hat der Transport selber etwa eine Woche in Anspruch genommen. Zoll (4-6%) + Einfuhrumsatzsteuer (20%) - und Zollbearbeitungsgebühren (8€) haben bei mir mit 220 Euronen zu Buche geschlagen, die ich beim Empfang der Ware an den Postmann abdrücken musste. Alles in allem habe ich rund 1400€ für den Adapter gezahlt.

Auspacken:

Der Adapter selber ist robust verarbeitet, sehr stabil und gut durchdacht.


Er besitzt zur Kameraseite hin einen bei laufendem Betrieb rot leuchtenden Ein/Ausschalter, mit dem man einen sehr leisen Motor in Bewegung setzt, der die Mattscheibe zum Vibrieren bringt...von außen kann man die Vibrationen auch fühlen, das hat aber keine negativen Auswirkungen auf das Bild, etwa dass dieses in extremen Teleeinstellungen zittern würde. Die Mattscheibe muss übrigens vibrieren, damit die Struktur (die Körnung) der Mattscheibe verschwimmt. Ansonsten würde die Kamera ihr Korn sehen.

Im Gegensatz zum P+S Adapter, bei dem man die Vibrationsgeschwindigkeit mittels Einstellrad bestimmen kann, hat der Letus35 Extreme nur eine Geschwindigkeit, ich würde aber nicht sagen, dass das ein Nachteil ist. Beim P+S Adapter ist es eher verlockend, die „Drehzahl“ herunter zu fahren, weil das so sichtbar werdende Korn echt schön filmisch aussieht. Bei der DVD-Kodierung kann man dann aber echte Probleme bekommen, weil das sich bewegende Korn große Datenraten in Anspruch nimmt. Da die Software nun versucht, das Bild zu glätten, wird es ganz matschig, unscharf und ist dann einfach nicht mehr schön.

In verschiedenen Foren liest man über Staub und Haare im Inneren des Adapters, die schon mitgeliefert werden. Auch ich fand einen dicken Fussel auf der Mattscheibe, ach was, der Fussel war nicht zu übersehen, er fand mich. Das scheint der Preis dafür zu sein, daß man etwa 7000€ weniger für einen Adapter bezahlt. Luftdruckdose auch gleich bestellen ist wohl die beste Lösung, braucht man eh.

Betrieben wird der Adapter mit 2 Mignonzellen, die direkt in das Batteriefach des Adapters eingelegt werden. Raffiniert ist der metallische Deckel des Fachs, der einfach aufgesetzt wird und an vier kleinen Magneten hält, die an den Außenkanten des Batteriefachs angebracht sind. Der Adapter selber ist sehr stromsparend, man kommt locker einen Drehtag mit 2 Akkus aus.

Vor Februar 2008: Die Mounts, die die Nikon-Optiken halten, sind nicht von bester Qualität. Es ist nach dem Aufsetzen des Objektivs ein leichtes Spiel da. Die Optiken sitzen nach dem Einrasten also nicht ganz fest und lassen sich etwas nach links oder rechts drehen. Je schwerer die Optik, desto mehr fällt das natürlich ins Gewicht.

Seit Februar 08 bestückt Letus seine Adapter mit den neuen Nikon-Mounts, die deutlich besser sind. Sie sind auch separat bestellbar und kosten als Update derzeit 59$, Normalpreis ist 99$. Mein neuer Mount hält nun auch ohne Ruckeln und Wackeln meinen großen Sigma-Zoom 70-210mm, der doch immerhin 1,2kg auf die Waage bringt (Stand:04/08).


Aufbau:



Sehr einfaches Prinzip; Dem Objektiv der Kamera entsprechenden Adapterring aufschrauben, dann den Adapter aufsetzen, ausrichten und mittels drei Inbus-Schrauben fixieren. Auf der anderen Seite den entsprechenden Optiken-Mount ebenfalls mit 3 Inbus-Schrauben fixieren und Objektiv aufsetzen. Wenn man mit Rod Support arbeitet, empfiehlt es sich, im Baumarkt einen Torx-Schraubenschlüssel in der Größe 10 zu kaufen, weil man die untere Schraube durch die Rohre fixieren muss. Mit einem kurzen Inbusschlüssel verkratzt man auf Dauer die Lackierung des Adapters.


Problem im Zusammenspiel Letus35 Extreme und HVX:

In verschiedenen Foren wird häufiger über folgendes Problem des Zusammenspiels zwischen Letus Extreme und HVX berichtet, das ich Panasonic Deutschland wie folgt geschildert habe:

Ein Blick durch den Adapter (Still der HVX) verrät das Problem (auf diesem Bild ist rechts und links das Innenleben des Adapters zu sehen, in der Mitte das projizierte Bild auf der Mattscheibe);



Die Mattscheibe ist nicht zentriert abzufilmen, ich muss also weiter einzoomen, um nicht links noch das Innenleben des Adapters zu filmen. Somit büßt das gesamte System an Lichtempfindlichkeit ein, weil im äußersten Telebereich die Lichtempfindlichkeit der Kamera abnimmt. Andererseits verliere ich erhebliche Bildinformationen auf der rechten Seite der Mattscheibe und damit an Qualität, was sich vor allem in der Schärfenabbildung zeigt. Die besten optischen Abbildungseigenschaften eines Objektivs liegen im Zentrum, zum Rand hin wird das Bild nicht nur unschärfer, sondern auch dunkler.

Mein erster Verdacht, daß die Mattscheibe im Adapter vielleicht nicht zentriert ist, konnte ich ad akta legen, als ich den Adapter vom Adapterring genommen habe und in der totalsten Einstellung den Adapterring an der Kamera gefilmt habe. Dieser sollte natürlich an beiden Seiten symmetrisch abgbildet werden, ganz deutlich sieht man aber links mehr von dem Ring als rechts.


Der „Technical Support Engineer“ von Panasonic deutete an, daß man evtl. die OIS-Linse (das ist die Linse, die für die Bildstabilisierung zuständig ist, OIS steht für Optical image Stabilizer, bei Sony und anderen Herstellen sagt man Steadyshot dazu) so versetzen kann, daß das Problem minimiert, bzw. behoben werden kann. Habe das Gerät dann per DHL zum Service nach Wiesbaden geschickt, sie haben die Kosten für den Transport übernommen und oben beschriebens versucht. Das Ergebnis ist, daß der CCD-Block nicht 100%ig an der Stelle sitzt, wo er hingehört. Ein Einstellen der OIS-Linse kann das Ergebnis zwar deutlich verbessern, aber zumindest in meinem Fall nicht komplett ausgleichen. Dennoch ist ein starker Schärfezuwachs zu beobachten.

Praxis:

Von Anfang bis Mitte Februar setzte ich den Adapter zum ersten Mal „ernsthaft“ ein. „Halbzeit“ wird ein patchworkartig geschnittener Film, der Ende Mai 08 im Vorfeld der Europameisterschaft im ORF und SFDRS ausgestrahlt wird. Anhand des Lebenslaufs der Schauspielerin und Musikerin Christina Zurbrügg, die eine Hälfte ihres Lebens in der Schweiz, die andere in Österreich verbrachte, werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Länder auf humorvolle Art und Weise dargestellt. Regie führten die Schauspielerin und ihr Lebensgefährte Michael Hudecek gemeinsam.

Hauptsächlich trägt Christinas Stimme aus dem Off den Film, dazu gibt es diverses Bildarchivmaterial, Bilder aus einem „Fernsehstudio“, die ohne Adapter gedreht wurden und letztlich szenisch gedrehte und geleuchtete Geschichten aus ihrem Leben. Diese sind sowohl innen als auch außen gedreht worden, bei Tag und bei Nacht.

Als erstes möchte ich sagen, daß es echt Spaß macht, mit dem Adapter zu arbeiten. Die geringe Schärfentiefe ist ein Traum und wertet das Bild unglaublich auf. Der technische Aufwand mit dem Letus nicht größer, als beim P+S Adapter. Was ich im Verhältnis zum Arbeiten mit dem deutschen Adapter vermisse, ist primär der eine Knopf, mit dem ich zeitgleich Adapter und Kamera auslösen kann und leider fehlt dem Letus35 ein Pin, an den ich ein Massband zum Schärfemessen anbringen kann..


Zur Verfügung standen mir in den meisten Szenen nur meine wenigen, nicht besonders lichtstarken Optiken; 1 Sigma Zoom 28-70mm f2.8, ein Nikon Zoom 70-200mm f3.5-4.0 und zwei Nikon Festbrennweiten 50mm f1.8 und 100mm f2.8.

Mit der Entscheidung für Nikon-Objektive bin ich nicht zufrieden. Das liegt nicht an der Bildqualität, sondern daran, dass die Drehrichtung des Schärferads genau umgekehrt zu der von Filmoptiken ist. Und das ist, wenn man selber schwenkt und schärft, zunächst mal eine Katastrophe. Man kann nicht mehr nach Gefühl schärfen, sondern muss ständig seinen Kopf einschalten und dreht trotzdem ständig in die falsche Richtung. Ich hoffe, dass ich bald den Punkt erreicht habe, an dem ich zwischen beiden Prinzipien kopflich einfach hin und her switchen kann. Mit Follow Focus wird das Arbeiten dann wieder leichter.

Der Lichtaufwand ist bei Innendrehs ähnlich groß, wie bei normalen 16mm-Filmproduktionen. Bei größeren Räumen braucht man meistens schon größere Einheiten, damit Hintergründe nicht zu dunkel werden. Wir hatten als HMI-Licht zwei ARRI 2,5KW-Stufen dabei, eine 1,2KW-Stufe zwei 200W-Stufen und 4-Fuss-Kinoflos und waren so auch für Drehs in dunklen Räumen gewappnet. Wichtig ist, daß das Streulicht oder direktes Licht aus Scheinwerfern ordentlich ausgedeckt wird. Das Bild wird sonst schnell immens flau, viel ärger als bei 16mm.

Der Adapter selber schluckt gefühlsmäßig nicht mehr Licht, als das P+S Pendant. Das liegt primär daran, daß der Letus Extreme eine größere Mattscheibe besitzt, als der P+S Adapter. Dadurch muss ich mit der Kamera nicht so weit in das Bild einzoomen und verliere nicht kameraseitig so viel Blende. Bei einem Dreh in der U-Bahn lieh ich mir ein lichtstarkes Photoobjektiv-Set vom Digitalkameraverleih aus und hatte so auch ohne zusätzliches Licht noch genügend Helligkeit zum drehen. Eher meine HVX braucht viel Licht.


Schärfenkontrolle:

Die Schärfe über den eingebauten Sucher oder das Display der HVX zu kontrolliern ist über den Focus-Assist, der den mittleren Bildausschnitt vergrößert, zwar meistens möglich, aber äußerst mühsam. Besser ist da ein portabler HD-Screen oder ein umgebauter Profi-Sucher mit Bildröhre.

Soviel fürs Erste. Dieser Artikel wird in nächster Zeit noch ausgebaut, Beispielvideos folgen und sobald der Artikel fertig ist, wird man ihn als PDF herunterladen können. Über Fragen, Anmerkungen und evtl. Korrekturen würde ich mich freuen.

Kommentare:

Bewegtbildarbeiter hat gesagt…

Bitte keine Links zu Virenprogrammen

Anonym hat gesagt…

sehr guter beitrag! Danke! ...freue mich schon auf die fortsetzung...eine frage: dreht ihr in amiland auch mit dem letus oder nem anderen adapter und wie läuft das?

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freddy

Bewegtbildarbeiter hat gesagt…

Hi Freddy,
in Amerika haben wir mit dem P+S Adapter gearbeitet und schön lichtstarken Zeiss Distagon Optiken. Hätte es letzten Juli, als der Dreh stattfand, den Letus35 Extreme schon gegeben, hätten wir wahrscheinlich damit gedreht.

Link zu einigen Photos unseres USA-Kamera-Setups findest Du, wenn Du in der rechten Leiste des Blogs im Archiv auf den Monat Juli klickst.

Liebe Grüße,
Christian

Sven hat gesagt…

Gute Arbeit! :)

Bewegtbildarbeiter hat gesagt…

Danke Dir. Hab mich bemüht.

Anonym hat gesagt…

Hallo Herr Bewegtbildarbeiter,
sehr sehr schöner Blog! Respekt!
Nun ist der Blog ja schon ein paar Jährchen alt, aber ich habe trotzdem eine Frage zu dem Thema, da ich mir selbst einen Letus Ultimate zugelegt habe, und bei mir ebenfalls das Problem mit der nicht ganz mittigen Bildwiedergabe auftritt.
Konnten Sie das Problem anderweitig lösen?
Meine Idee zu dem Thema war, den Kameramount entsprechend exzentrisch zu "verschieben".
Was halten Sie von dieser Idee?
Dabei habe ich mir überlegt, daß die Bildschärfe dann ja weiter in die Kamera-Sensor-Mitte rücken müßte, oder liege ich da falsch?
Schon komisch, eigentlich sollten die Jungs von Letus mal erklären, woher der "Versatz" der Bildmitte bei den Adaptern kommt?
Bin gespannt auf weitere Kommentare.
P.S.: Hab mir einige Optiken bestellt, würde - wenn Interesse besteht - einige Besispiel-Filme hier einstellen.
Gruß und Danke für den tollen Blog!
Stan