Freitag, 8. Juni 2007

wie man durch geschicktes Konzept Geld verdient

Habe vor einigen Tagen eine Message auf mein Showreel bei YOUTUBE bekommen, in dem mir ein Job angeboten wird. Eigentlich super, kann ich gut gebrauchen...

Das Unternehmen, für das ich im Bedarfsfall arbeiten kann, heißt Moviebakery mit Sitz in Köln und funktioniert so: Ein Unternehmen bestellt 10 Filme für 10000€ zu einem von ihm festgelegten Thema bei der Moviebakery und zahlt schonmal 5000. Als Vermittler schreibt diese ausgewählte Filmproduzenten an und lässt sich von ihnen Ideen zusenden. Dann wählt sie die zehn besten aus und beauftragt die Filmemacher, für jeweils 500€ einen Clip zu erstellen. Falls mit den Clips auf irgendwelchen Wegen Geld hereinkommt, wir der Gewinn gedrittelt, gilt aber erst ab 1000€, vorher bleibt das Geld erstmal bei der Moviebakery.

Klingt nach einem guten Konzept, bei einem Blick in die Allgemeinen Nutzungs- und Geschäftsbedingungen bekomme ich allerdings ein ungutes Gefühl, wenn ich die Bezahlung in Relation zum Aufwand und Pflichten setze:

Auszüge, kursiv gesetzte Stellen sind von mir hervorgehoben:

5.4
In der vierten Stufe prüft moviebakery sämtliche eingereichten Videos, ob diese der eingereichten und für gut befundenen Ideen des Filmproduzenten sowie gewissen Qualitätsstandards entsprechen. Diese Einschätzung erfolgt alleinige auf Ermessen von moviebakery. Sollten diese Qualitätsstandards nicht erfüllt sein wird moviebakery Nachkorrekturen bei dem Filmproduzenten einfordern. Erst wenn diese ordnungsgemäß umgesetzt wurden erhält der Filmproduzent das Anrecht auf seine fixe Bezahlung.

7.6 Der Filmproduzent garantiert, dass sämtliche Filme individuell und exklusiv für ein Unternehmen erstellt wurden. Dies beinhaltet auch, dass der Filmproduzent das Werk noch nicht selber veröffentlich hat und auch zukünftig nicht selber veröffentlichen wird, außer ein Unternehmen bzw. moviebakery erteilt ihm hierfür ausdrücklich die Zustimmung [...]. Bei etwaigen Verstößen haftet der Filmproduzent.

8.1
Mit dem Upload einer fertigen Film-Datei auf unseren Server erkennt der Filmproduzent ausdrücklich an, dass er sämtliche Urheber- und Nutzungsrechte an seinem Werk gegen die fixe Bezahlung an uns abtritt. Diese Rechte gehen dann an das Unternehmen über, sobald die Zahlung der zweiten Teilzahlung erfolgt ist.

8.2
Daraus folgt, dass der Filmproduzent ab diesem Zeitpunkt keinerlei Einfluss mehr darauf hat in welcher Form sein Film, wann, wie und wo veröffentlicht wird. Außerdem darf er diesen Film weder vor noch nach dem Upload auf den Server der moviebakery selber veröffentlichen, außer das Unternehmen bzw. moviebakery erteilt ihm hierfür ausdrücklich eine Genehmigung.

10.1
Der Betreiber von moviebakery behält sich ausdrücklich das Recht vor, einzelne Nutzer ohne die Nennung von Gründen von einer Nutzung der Plattform auszuschließen.

11.1 Die Nutzer, insbesondere Filmproduzenten, sind für sämtliche Urheber- und Nutzungsrechteübertragungen allein verantwortlich.

Zusammengenommen heißt das, ich drehe einen Clip für Moviebakery, verkaufe damit zunächst meine Idee. Ich organisiere einen Dreh, sorge für die gesamte Infrastruktur (Kamera, Rechner mit nötiger Software, evtl. Licht, Ausstattung), drehe, schneide, korrigiere auf Anweisung von oben und trete nach Fertigstellung die gesamten Rechte ab. Für 500€, von denen ich die zu zahlenden Nebenkosten, Steuern und evtl. anfallende Rechteabgeltungen abziehen muß, grenzt der bleibende Verdienst an Ausbeutung. Finden Sie nicht?

1 Kommentar:

Felix Holzapfel hat gesagt…

Hallo Christian,
ich habe gerade Deinen Beitrag hier gelesen und muss sagen, schade, dass Dein anfänglicher Eindruck, dass es sich bei moviebakery um ein gutes Konzept handelt nach der Durchsicht der AGBs so ins Negative gedreht hat...

Dazu kurz zwei Dinge:

1. Wir haben Deine Anmerkung mal als Aufhänger genommen, um das in unsere FAQs einzubinden. Hier der Link dazu: http://www.moviebakery.com/filmproduzenten/faq.php#500
OK… War nicht „nur“ Deine Anmerkung, wobei diese gerade den Ausschlag gegeben hat, sondern das haben wir bisher schon 2 bis 3 mal gehört… Erstaunlicherweise allerdings nur im deutschsprachigen Raum. In sämtlichen anderen Ländern aus denen uns bisher Anmeldungen von Filmproduzenten vorliegen, die Bock haben bei uns mitzumachen, hat noch niemand vergleichbare Bedenken geäußert. Und das sind die folgenden: USA, Israel, Australien, Holland, Englang, Südafrika, Belgien, Frankreich, Spanien, Neu Seeland, Japan, Schottland, Brasilien, Österreich, Dänemark, Kanada, Schweiz…

2. AGBs sind nun einmal „leider“ AGBs... Da klingt einiges ein wenig trockener als es in der Realität dann wirklich ist. Denn eins ist klar: Die Teilnahme bei moviebakery soll nicht nur eine zusätzliche Einnahmequelle für die Filmer schaffen, die sie ansonsten oftmals bisher nicht hatten, sondern vor allem in erster Linie auch Spaß machen. Denn wenn das nicht gegeben ist werden wir unsere Plattform relativ schnell wieder dicht machen können... Bisher sieht es aber genau andersherum aus;-)

Und wer weiss… Evtl. hast Du ja doch noch Bock irgendwann bei uns mitzumachen… Würde uns auf jeden Fall freuen! Oder mein Kommentar hier hat zumindest Deinen Ärger gemildert, dass bei moviebakery irgendwer ausgebeutet wird… Denn das ist garantiert nicht unser Ziel!

In dem Sinne… Jetzt mach ich erst mal Feierabend… Und wünsche Dir erst einmal ein schönes Wochenende!

Beste Grüße aus Köln
Felix Holzapfel
Geschäftsführer von conceptbakery in Deutschland